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Vorwort zur MIMUSE 1992 von Matthias Beltz

Kleinkunst

Kleinkunst ist Pathos, MenschSein und  Bleibenwollen; Avantgarde ist nur verwichste Scheiße, jedes dumme Großkunstarschloch, das seine Triefnase in die Welt hält, gehört sofort standrechtlich begnadigt, denn diese stinkenden Kulturschänder, die tatsächlich eine Oper oder ein Gedicht oder einen Roman oder ein gemaltes Bild für wertvoller halten als einen geplatzten Autoreifen, sind so herb daneben, daß jeder Tod nur eine vollkommen ungerechtfertigte Erleichterung wäre für sie.

Kunst, also ausschließlich Kleinkunst, vernichtet absolut maschinell alles Große, groß ist dick, dumm und harmlos und noch nicht einmal krank, Großkunst ist unbestechliches Hecheln geistig total verkrebster Arschköpfe um metaphysische Anerkennung im öffentlichrechtlichen Raum, und die Hirnlappen der Großkünstler eignen sich noch nicht einmal zum Angreifen heißer Henkel, Hochkultur ist Blödwichsen auf Stelzen, ist Mordversuch mit ungeladenem Revolver, Museen, Theater, Literatur und Kunsthäuser sind Leichenfickerzentren für sehbehinderte Spanner.

Kleinkunst ist das einzig Wahre, Gute, Schöne, der Begriff ist schon so mit Schimpf und Schande verbunden, daß aus ihm der exkremente Geruch der zwangsläufigen Selbstbefreiung steigt, des einzig schönen Zwangs zum Aufsteigen aus dem Abfall all dessen, was Kulturleistung genannt wird.

Kleinkunst ist dumm, gemein und betulich, geizig, verklemmt und beschränkt, Kleinkunst ist Symbol des Realen und damit jedem Versuch überlegen, das Barbarische zu zähmen. Kleinkunst ist als Barbarei der letzte Virus, der Kultur und Zivilisation davon abhalten kann, konsequent zu werden.