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Michael Junker / Hannoversche Allgemeine Zeitung v. 03.08.2010

Die Mimuse und ihre Künstler

Die Mimuse zählt zu den wichtigsten kabarettistischen Veranstaltungen Deutschlands. In 30 Jahren haben viele bekannte Künstler das Programmheft gefüllt: Von Harald Schmidt über Rüdiger Hoffmann, Hans-Werner Olm und Michael Mittermeyer bis zu Götz Alsmann.

Zugegeben: Zu Beginn der Mimuse mussten die Veranstalter im Nebel stochern, um das Programm zu füllen. Kontakte zur Kleinkunstszene hatte keiner so richtig. Mimuse-Chef Udo Püschel klemmte sich daher ans Telefon und führte zahllose Gespräche. „Wir hatten wenig Geld und viel Optimismus. Es sollte etwas ganz Besonderes werden, das war klar“, sagt Püschel.

Heute ist das anders: Püschel kann sich vor Buchungsanfragen der Künstler kaum retten. Die lange Liste der Hochkaräter zeigt, wie groß der Name Mimuse in der Kabarettszene ist: Über Götz Alsmanns Auftritt 1984 in Langenhagen sagt Püschel heute: „Der konnte am Klavier alles spielen, den musstest du nur mit dem Finger antippen.“ Es folgten viele bekannte Künstler wie 1985 Kalle Pohl - das Jahr, in dem das Programm erstmals nahezu komplett im Theatersaal über die Bühne ging -, Matthias Deutschmann (1986), Nickelodeon (1987), Ingolf Lück, Hans-Werner Olm, Volker Pispers und Sissi Perlinger (1988) und Hanns Dieter Hüsch (1989), der 2005 gestorbene Kabarettist, den Püschel sehr schätzte.

Anfang der neunziger Jahre begann Püschel, das Programm des GOP Hannover zu planen - und nutzte seine neu gewonnenen Kontakte zum Varieté: Marionettenspieler, Seifenblasenkünstler und Comedy-Jongleure traten 1991 in einem Spiegelzelt auf dem Langenhagener Schützenplatz auf. 1993 und 1994 buchte er viele Comedians, und 1995 sprach der Magische Zirkel ihn an: Für die Meisterschaft der Zauberer wollte der Verein mit ihm zusammenarbeiten. Ergebnis war eine Mimuse-Gala mit vielen Zaubertricks.

Bereits in den neunziger Jahren hatte das Mimuse-Programm Stand-up-Comedians verzeichnet, der Durchbruch des Genres in Langenhagen war aber im Jahr 2003: Django Asül und Dittrich & Pastewka zogen viele Besucher an. „Das Kabarettpublikum wird immer älter“, sagt Püschel. Stand-up sichere da den Besuchernachwuchs.

Bis heute ist die Mimuse eine der erfolgreichsten Kleinkunstveranstaltungen: „Von der Krise der Kleinkunst wird zwar schon seit vier Jahren geredet“, sagt Püschel. Wirklich gespürt habe er sie aber bisher nicht.

Das mag auch daran liegen, dass sich nicht nur die Besucher, sondern auch die Künstler bei der Mimuse schlichtweg wohl fühlen. Für Lokalmatador Matthias Brodowy ist die Mimuse „eine Veranstaltungsreihe, die im norddeutschen Raum ihresgleichen sucht“. Auch Kabarettist Volker Pispers lobt: „Ich bin 1988 zum ersten Mal im daunstärs aufgetreten und habe Püschel und seine Mitarbeiter kennen- und schätzen gelernt. Menschen, die wissen, was sie tun, wissen, wovon sie reden, und Spaß an der Sache haben“, sagt der Kabarettist.