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Michael Junker / Hannoversche Allgemeine Zeitung v. 03.08.2010

Die Langenhagener Mimuse wird 30 Jahre alt

Ohne den Verein Klangbüchse geht es nicht: 30 Mitglieder halten das Kleinkunstfestival Mimuse in Langenhagen am Laufen.

Es war eine Arbeitsgruppe innerhalb des Stadtjugendrings, die den Grundstein für den Verein Klangbüchse gelegt hat. Die „Klangbüchse AG“ - unter ihnen Doris Früh, heute für das Catering zuständig, und Gründer Udo Püschel, damals Vorsitzender des Stadtjugendrings - organisierte Folklore-Konzerte und andere Musikangebote. Mit Erfolg: Stetig wuchsen die Termine, die Zuschauerzahlen und die Arbeit.

Schließlich entschlossen sich die Mitglieder zur Vereinsgründung. Früh ist seit Anfang an dabei: „Damals haben wir noch nachts plakatiert und wussten nicht, was aus diesen Veranstaltungen einmal werden würde“, erinnert sich die Langenhagenerin. Alles sei - genau wie heute - sehr familiär zugegangen: Die Mitglieder kamen gut miteinander klar, und die Künstler übernachteten auch schon Mal bei Klangbüchsen-Mitgliedern.

Mit der Zeit wuchsen die Veranstaltungen, und es gab immer mehr zu tun - auch weil die Stadt die Organisation dem Verein überließ und schließlich fast nur noch finanziell unterstützte.

30 Mitglieder zählt der Verein heute, und die Mimuse ist zum Teil ihres Lebens geworden. „Zweimal im Jahr treffen wir uns zur Arbeitsbesprechung“, sagt Barbara Duncker, Vorsitzende der Klangbüchse. Dann werden die Dienstpläne für die Saison gefüllt. Eine Abendveranstaltung macht mehr Arbeit, als sich manch ein Besucher vielleicht vorstellt: Mittags treffen sich die Mitglieder, richten die Garderobe her, kümmern sich um die Verpflegung der Künstler und Vereinsmitglieder oder arrangieren die Bühne und die Technik - ob im daunstärs oder dem Theatersaal. „Oft endet so ein Tag erst um Mitternacht. Man muss dafür schon ein begeisterter Fan der Kleinkunst sein“, sagt Duncker. Denn das Miterleben der Veranstaltung und der vertraute Kontakt mit den Künstlern sei es, was die Mitglieder reizt.

Mit dem Nachwuchs läuft es allerdings eher schleppend: „Wir haben die letzten sieben Jahre zwei neue Mitglieder bekommen“, sagt Duncker. Viele Vereinsmitglieder haben die 60 überschritten. Zwar helfen die Kinder einiger Mitglieder auch mal mit, aber ein paar mehr Helfer könnte der Verein schon vertragen. „Wir haben ein supergutes Team und empfangen jeden mit offenen Armen“, sagt Duncker. Wer Interesse hat, kann den Verein unter www.mimuse.de kontaktieren.

Hinter den Kulissen30-Jahre-Mimuse-HAZ-Artikel-Technik.jpg

Viele Stunden bevor eine Veranstaltung beginnt, verlegen Helfer Kabel, stellen Boxen und Mikrophone auf, bringen Scheinwerfer an und sorgen dafür, dass Licht und Ton den Anforderungen von Künstlern und Zuschauern entspricht.

„Kabarettisten sind da sehr pflegeleicht“, sagt Produktionsleiter Franz Gottwald. Da reichen ein paar Strahler für die Bühne und ein Mikrophon. Bei musikalischen Darbietungen sieht das schon wieder anders aus: Die Instrumente müssen mikrophoniert und aufeinander abgestimmt werden, und oft sollen auch die Scheinwerfer bestimmte Voraussetzungen erfüllen.

Vor dem Auftritt proben Techniker und Künstler, doch dafür ist meist nicht viel Zeit: „Wenn die Show im daunstärs um 20 Uhr beginnt, kommen manche Künstler erst um 18 Uhr“, sagt Gottwald. Dann muss es schnell gehen.

Schwierig wird es, wenn die Techniker der Mimuse zum Beispiel CDs während der Show aufs Stichwort einspielen sollen: „Es kam schon vor, dass Künstler ein abgesprochenes Stichwort schon vor dem eigentlichen Einsatz verbaut hatten.“ Wenn dann ein Lied unerwartet viel zu früh einsetzt, bleiben die Kabarettisten aber meist gelassen: „Das sind Profis - die überspielen das, und das Publikum merkt es meist nicht“, sagt Gottwald.

Griechischer Mimus ist Namensgeber

Zugegeben, die Verwechslungsgefahr mit einer tropischen Pflanzenart ist groß. Doch die Mimuse hat nichts mit dem Mimosengewächs zu tun. Der Name des Kleinkunstfestivals geht viel mehr auf das antike Theater zurück: „Dort war der so genannte Mimus eine Figur, die Szenen für das Publikum kommentiert hat“, sagt Mimuse-Veranstalter Udo Püschel.

Anspielungen auf tagespolitische Themen und Personen des Mimus sind historisch bezeugt - und das seit dem zweiten Jahrhundert vor Christus. Vom lateinischen Mimus sind zwar nur noch wenige Fragmente bekannt, vom griechischen aber ganze Szenen: Es sind derbe, komische Geschichten aus dem Alltagsleben, die zum Beispiel bei Volksfesten oder Gastmählern aufgeführt wurden und die Zuschauer zum Lachen bringen sollten. Die Schauspieler bedienten sich dabei einer einfachen und ausgelassenen Sprache - der Sprache des Volkes.

Püschel erkannte viele Parallelen zum heutigen deutschen Kabarett und verband den Mimus mit der Muse. In 30 Jahren hat sich die Wortschöpfung zur bekannten Marke entwickelt: „Er prägt sich ein, er ist individuell“, sagt Püschel dazu.